Langer Mantel, Cowboyhut, eine verdächtige Ausbuchtung in der rechten Hosentasche und er zieht - keinen Colt -, sondern ein Mikrofon aus ihr. Etwa kein Bösewicht wie vermutet? Doch: Es ist Donald Trump (alias Michael Altinger), der die Bühne des Herzogenauracher Vereinshaus betritt und dem Publikum versichert, wie sehr er Herzogenaurach liebt, obwohl er keine Ahnung hat wo das liegt.
Es war der Auftakt zu einem fulminanten Kabarettabend, den die Herzogenauracher SPD organisiert hat. „Die letzte Tasse Testosteron“ wollte Altinger an diesem Abend trinken, den letzten Auftritt seines Lebens hinlegen. Sein Gitarrist Andreas Rother meinte zwar, dass sie doch morgen noch in Schweinfurt auftreten, dann in München und in weiteren Städten. Trotzdem die momentan letzte Tasse des Abends trank er in Herzogenaurach und die Ortsvereinsvorsitzende Claudia Belzer erwartete sich noch eine Kaffeekanne voller Humor dazu. Sie und die vielen Besucherinnen und Besucher im vollbesetzten Vereinshaus wurden nicht enttäuscht.
„Ich bin der Jüngste meines Alters“, meinte er, aber seine Frau bezeichnet ihn neuerdings als alten weißen Mann. Das verletzt ihn, obwohl er als Lifestyle-Teilzeitarbeiter schon mit dem Vorruhestand liebäugelt. Aber er hält sich fit, schafft zwar nur zwei statt zwanzig Minuten. Dafür rockt er die Bühne mit seinem Welthit aus den achtziger Jahren: „Schulterpolster und Achselhaare, die lieb ich so an dir“.
Damals trat Nena als Vorgruppe auf. Granatapfel, Ingwer und vor allem Bewegung regen die Testosteron-Produktion an, weiß er zu berichten. „Sitzen ist das neue Rauchen“, da muss mit Horrorbildern gegengesteuert werde. Wie wäre es mit Nahaufnahmen von Hämorrhoiden, oder mit einer Akupunkturbehandlung, damit man sich das Sitzen abgewöhnt?
In seiner fiktiven bayerischen Heimat Strunzenöd soll es wie in ganz Bayern keine Windräder und keine PV-Anlagen geben, denn die verschandeln nur die Landschaft. Da passen doch viel besser ausgedehnte Gewerbegebiete hin. Söder und seine CSU wissen sicherlich, was gut für Bayern ist, obwohl Altinger sich sicher ist, dass Söder Bayern für dreizehn Bratwürste verscherbeln würde, wenn Trump ihn zum König macht - von Grönland. Es sind diese schrägen Gedankenspiele, diese Albereien, die die Lachmuskeln nachhaltig strapazieren. Manchmal schlägt er aber auch nachdenkliche Töne an, wenn er darüber sinniert, was der Unterschied zwischen Anstand und Mut ist. Ein einfaches Beispiel: Wenn ich in München gegen Nazis demonstriere, dann ist es Anstand. Wenn ich das in Erfurt mache, ist das Mut.
Sieben Minuten nach 22 Uhr trank er seine Tasse Testosteron (was immer auch drin war) und verabschiedete sich von einem total begeisterten Publikum. Kleine lustige Anekdoten gab es als Zugabe.